Fischerhaus Kirchstrasse, Gottlieben TG

Info

Auftragsgeber: Privat
Auftragsart: Direktauftrag
Bauaufgabe: Gesamtinstandstellung Schutzobjekt
Bausumme BKP 1 – 9: 1.5 Mio CHF
Nettogeschossfläche: 280 m2
Volumen nach SIA 416: -
Leistung: Gesamtleitung, Projektierung, Ausführungsplanung, Bauleitung/ Baumanagement, Abschluss
Fotos: Mark Niedermann
Zeitraum: 2013-2016

Gesamtinstandstellung, Umbau und Anbau
Schutzobjekt in Kernzone von 1808

Das historischen Fischerhaus befindet sich in der Dorfkernzone der Ortschaft Gottlieben am Seerhein. Die Gesamterscheinung des Gebäudes stammt aus dem 19. Jahrhundert , der Kern ist aber älter. Es handelt sich um ein traufständiges Fachwerkgebäude, dessen Substanz wir in einem schlechten Zustand vorgefunden haben. Das einfache zweigeschossige Gebäude war wie die meisten Bauten des Dorfes als Fischerhaus oder Handwerkerhaus genutzt worden. Das Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau wurde bewusst früh in die Planungsphase miteinbezogen, da das einseitig angebaute Wohnhaus denkmalpflegerisch als wertvoller Zeitzeuge eingestuft wurde.

Das Um- und Anbaukonzept stützt sich stark auf die vorgefundenen Strukturen und kann in drei Teile gegliedert werden: Die strassenseitige Fassade und ihre dahinterliegenden Raumstrukturen werden weitgehend erhalten und denkmalpflegerisch saniert; ostseitig wird der vorgefundene ehemaligen Ökonomieteil in seiner Struktur und Erscheinung verstärkt; der vorhandene Einschnitt in der Mantelbaulinie wird mit einem Neubau gefüllt. Das neue Volumen orientiert sich gartenseitig und erscheint in seinem Äusseren als Turm. Der vorgefundene doppelgeschossige Dachraum wird zu Wohnraum umgenutzt, wobei die stark präsenten Strukturen des Dachstuhls raumbildend einbezogen werden. Entstanden ist ein Umbau, der die Nutzungsverteilungen neu konfiguriert. Im Erdgeschoss befinden sich nebst dem Eingang neu Atelier-/Arbeitsräumlichkeiten und über die weiteren drei Obergeschosse erstreckt sich eine weitläufige Wohnung mit Küche, Wohn- und Esszimmer, Studio und Schlafzimmern. Diese Innenräume sind geprägt vom Zusammenspiel zwischen grosszügigen Raumkompositionen und Durchdringungen der bestehenden Holzstrukturen und massiven Mauerwerke. Dieser Kontrast wird innenräumlich mit der Wahl von hell verputzten Wänden und Decken nochmals intensiviert. Ein vorgefundenes Täferzimmer strassenseitig wird rekonstruiert, aber zeitgemäss neu interpretiert. Das äussere Erscheinungsbild des gartenseitigen Anbauvolumens wird mit einer vertikalen Brettschirmholzschalung umfasst. Diese lehnt sich bewusst an die vorgefundenen Schirmlattungen an, erweist sich jedoch in ihrer Plastizität und Schattenbildung durch eine grössere Dimensionierung der Bretter als eine Verstärkung. Sie stellt in ihrer dunklen Erscheinung einen gewollten Kontrast zur bestehenden hell verputzten strassenseitigen Fachwerkfassade dar.

MehrWeniger